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WegbegleiterIn: Verblendung

WAS IST „VERBLENDUNG“ ?

Was ist eigentlich die Verblendung – kann man den Begriff nicht auch
schlichtweg Dummheit nennen?
So einfach kann man das nicht sehen, denn auch unter den intellektuellen und
gebildeten Menschen finden sich viele Verblendete – und weise Menschen findet
man auch unter Personen, denen keine große Bildung zukam.
Also stellt sich weiterhin die Frage, was denn die Kriterien der Verblendung
sind:
In der buddhistischen Literatur wird das Wesen der Verblendung mit vielen
Begriffen beschrieben, mit denen wir im täglichen Leben mehr anfangen können als
mit diesem eher abstrakten Begriff. Die Verblendung wird als Illusion, Wahn,
Täuschung oder auch schlichtweg als falsche Ansicht dargestellt. Wir können also
schnelle Denker sein, kluge Personen, die ihre Probleme mit ihrer Flexibilität
und ihrem Wissen lösen – und doch unterliegen wir der Gefahr der Verblendung. In
Vielem, was wir denken, sagen oder tun drückt sich laufend die Verblendung aus
und manifestiert sich in Ansichten, Annahmen, Dünkel, Vorstellungen im Glauben
etc. Diese Dinge sind an sich noch keine Verblendung – entstehen sie doch
kontinuierlich in uns, erst wenn es sich um irrigen Glauben, um falsche
Annahmen, um unklare Vorstellungen handelt und wir daran noch anhaften wird es
zum Wahn, zur Selbsttäuschung, zur Verblendung. Ein einfaches Beispiel sind die
Gerüchte; sie können auf einer unbestätigten Annahme beruhen und sobald sie in
die Welt gesetzt wurden verbreiten sie sich schnell und werden in der Folge
ungeprüft, oft noch phantasievoll ausgeschmückt, weiter gegeben. Wieviel
Unglück und Ungerechtigkeit ist Menschen damit angetan worden.
In der buddhistischen Lehre spricht der Buddha immer wieder von Toren und von
Weisen. Die Toren unterliegen dem Wahn ohne es zu bemerken. Das drückt sich im
Sinnesrausch, im Jugendrausch, im Persönlichkeitswahn oder auch im
Gesundheitswahn aus. Verblendung zeigt sich ebenso im Unverständnis von DUKKHA.
Man jagt einem vermeintlichen Glück nach, ohne dabei zu merken, dass man
eigentlich immer tiefer in die Misere gerät. Wer das missversteht, klagt sein
Schicksal an, wenn es Tiefen gibt, und rutscht in die Falle des Selbstmitleids.
Die meisten Menschen glauben, dass ihre Wünsche, die auf Gier beruhen, eine
Glücksverheißung darstellen die es zu erreichen gilt und bei Niederlagen und
Verhinderungen fühlen sie sich zu Hass, Enttäuschung oder sogar zum Kampf
berechtigt. Von Verblendung heißt es, dass sie den Geist trübt beziehungsweise
sogar unsere Sinne verwirren kann. In weiterer Folge verhindert Sie dann klares
Erkennen und die Einsicht in Zusammenhänge. Die Menschen, welche die Verblendung
noch nicht ablegen konnten haben „Sand auf den Augen“.
Dhp 241
Nicht Üben ist des Wissens Fluch,
des Hauses Fluch Untätigkeit,
Trägheit der Fluch der Schönheit ist,
und Lässigkeit des Wächters Fluch

Dhp 243
Noch größeren Fleck als jenen gibt’s:
Verblendung ist der größte Fleck;
so überkommt denn diesen Fleck
und lebet, Menschen; fleckenlos.

251
… kein Netz verstrickt so wie der Wahn…

Warum ist es denn so schwierig, die Verblendungen aufzudecken?
Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Verblendung mit gewohnten Mustern, mit
alten Prägungen und fixierten Ansichten einhergeht, die bereits so sehr in unser
Denken und unsere Persönlichkeitsvorstellung eingedrungen sind, dass wir sie gar
nicht mehr überprüfen oder hinterfragen. Man könnte sagen, wir haben sie uns
einverleibt und zu einem Teil unseres Ichs gemacht. Oft sind diese Muster gar
nicht unserer eigenen Erfahrung entsprungen sondern wir haben diese von Anderen
bewusst oder auch unbewusst übernommen. Es lässt sich zwar damit leben – aber
irgendwie doch nicht ganz echt.
Und die Verblendung hat noch dazu einen ganz hinterhältigen Trick eingebaut –
durch ihr Wesen einen Schleier vor unsere Augen zu legen schützt sie sich selbst
davor mit unserem normalen Geist entdeckt zu werden. Nur wenn wir unseren Geist
gut trainieren dann können wir an diesem Schleier etwas vorbeisehen und die
Verblendung als solche erkennen.
UMGANG MIT VERBLENDUNG
Wie kann man sie bei sich selbst im täglichen Leben der Verblendung oder
zumindest den Spuren der Verblendung auf die Schliche kommen?
* Pass auf, wenn Du unbedingt „recht haben“ willst und die andere Ansicht
oder Verhaltensweise ablehnst oder garnicht erst zulässt.
* Wie „tolerant“ kannst Du anderen gegenüber sein, die Deiner Art nicht
entsprechen?
* Fühlst Du Dich anderen oft überlegen oder unterlegen?
* Wofür gibst Du das meiste Geld aus? Was soll es Dir verschaffen? Glück?
Sicherheit?
* Was machst Du, wenn Du kritisiert wirst? Sinnst Du auf Vergeltung?
* Was stört Dich am meisten im Umgang mit Menschen?

Das ist nur ein kleiner Verblendungs-Frage-Katalog, der noch beliebig
erweiterbar ist. Er führt uns aber schon mit den wenigen Fragen förmlich vor
Augen, wo wir eine getönte Brille auf der Nase haben, oder etwas Sand in unsere
Augen gekommen ist oder wir gar ein Brett vor dem Kopf haben.
Es heisst „gut aufpassen“!
Mein Vorschlag: Wenn Du es merkst, kurz innehalten und dem Verblendeten (leise
geht es auch) sagen „Brille“ – „Sand“ – oder „Balken“.

Also- wer macht mit?

Eure Wegbegleiterin Ursula probiert es heute noch und deckt nächstes Mal die
Karten auf, und sagt wie es gegangen ist.
Alles Liebe im schönen goldenen Herbst von Ursula

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