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WegbegleiterIn: Berufung

Liebe Freundinnen, liebe Freunde auf dem Weg!

Immer öfter wird mir die Frage gestellt: Wie finde ich meine Berufung? Manche
der Frager sind jung und können in ihren erlernten Beruf nicht einsteigen; die
meisten sind in der Mitte ihres Lebens, gegen 50 und haben lange dieselbe Arbeit
ausgeführt.

Sie finden, dass es an der Zeit ist, etwas zu ändern; sich wesentlichen Dingen
zu widmen. Sie warten auf ihre Berufung.

Was ist Berufung?

Kann es der Ruf einer höheren Macht sein? – Ein Auftrag von der Welt? Ein Ruf
aus einem unterentwickelten Land? Der Ruf hilfesuchender Menschen oder Tiere?
Viele Menschen sind solchen Rufen gefolgt, sonst gäbe es nicht die vielen
Hilfsorganisationen. Viel Gutes haben dese Leute mit ihrem Einsatz erreicht und
wir danken und unterstützen sie.

Aber es ist nicht das Einzige, wie man seiner Berufung folgen kann. Mir ist da
im Sinn, dass jeder Mensch aus seinen guten Fähigkeiten und seiner
Lernbereitschaft etwas Eigenes als seinen zu tiefst liegenden Lebensauftrag
hervor bringen kann und sollte! Ich schlage vor:

Eine Bestandsaufnahme aller eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen aufzulisten:

Was kann ich alles, beruflich und außer beruflich?

Was tue ich gerne?

Was könnte und möchte ich noch gerne lernen?

Was mag ich nicht und was liegt mir nicht?

Die Sachen, die ich gerne tue, verbinde ich mit meinen Fähigkeiten und
Erfahrungen und schaue mir an, was davon zusammenpasst. Ich kann diesen Kreis
noch mit neuem zu erlernenden Wissen ergänzen und mache aus allem zusammen meine
eigene Kreation. Dann muss man sich umschauen, wo es einen Platz für meine
Kreation gibt.

Manchmal lässt es sich nur selbständig oder im kleinen privaten Bereich
durchführen.

(So etwa bin ich meinen Weg gegangen)

Eine andere Möglichkeit sehe ich darin, Deiner Arbeit einige der heilsamen Werte
zuzufügen, die der Buddha als edel bezeichnet, z.B. Achtsamkeit, Zuwendung,
Metta, Sammlung bei der Arbeit aber auch in Ruhepausen und eine Portion
Gelassenheit.

Dass man sich zu Hause noch einen passenden Ausgleich schafft, ist richtig und
natürlich.

Beispiel:

Eine Physiotherapeutin meinte, sie hätte lange genug nur massiert und wäre
enttäuscht, dass die Patienten ihre Körperübungen ignorierten. Sie selbst liebte
lockeres Bewegen, Tanz und Musik.

Mein Vorschlag: mach Mitte des Vormittags und Mitte des Nachmittags eine
Minidiskothek für Heilgymnastik auf, wo sich jeder 20 Min. lang nach Lust und
Laune bewegen kann. Du als Leiterin zeigst ihnen als Vorbild was gut tut.

Ob es funktioniert?

Vielleicht möchtest Du Gedichte schreiben oder malen. Tu es einfach, ohne an
Erfolge zu denken! Mach Dir selbst die Freude!

Auch die sportlichen Aktivitäten können das berufliche und private Leben
bereichern. Ich halte es für ein gutes Zeichen, dass immer mehr Leute Radfahren
und joggen.

Um der Sache mehr auf den Grund zu gehen, könnte man sich Folgendes Vorstellen:

Es ist kurz vor meinem Tod, und ich überblicke mein Leben. Habe ich etwas
Wichtiges versäumt? Bin ich zu etwas nicht gekommen, was ich gerne gemacht
hätte?

Auch wenn sich nicht Alles nachholen lässt, kann man in einer veränderten Form
doch noch viel zur eigenen Befriedigung tun. Vielleicht geht es in Gedanken im
Wünschen und Verzeihen? Du lebst ja noch ! – also tu etwas!

Heilige wurden von Gott berufen, einen bestimmten Auftrag zu erfüllen. Sie
konnten sich dem nicht entziehen.

Der Buddha war kein Gott aber ein Erleuchteter, der denen die zu ihm kamen, den
Weg zu einem edlen, sinnvollen Dasein zeigte. Die Freiheit vom Leid, die er dem
einzelnen Menschen als höchste Verwirklichung versprochen hat, ist zugleich ein
Heil für die Welt, da jede Minderung an Gier, Hass und Ichsucht der Welt zugute
kommt und das praktizierte Mitgefühl eine Wohltat für alle ist.

In der Zuwendung, Verehrung und Liebe zum Buddha und seiner Wahrheitslehre liegt
eine große Kraft, die unserem Leben einen besonderen Auftrag gibt; – vielleicht
eine Art Widmung? Wir wissen um das Gute in uns und haben Vertrauen, trotz aller
Schwierigkeiten, trotz Versagen und Unterbrechungen!

Wir müssen nicht immer andere Aufgaben suchen, sie liegen ja vor uns – nur gut
hinschauen ist nötig, um sie zu erkennen!

Alles was wir tun – heilsam zu tun – ist die größte und Heil bringendste
Herausforderung – unsere menschlichste Berufung!

Ein Dhammapada Vers 110

Wer grüßend sich vor andern neigt,

Wer jedem Weisen Ehrfurcht zeigt;

Bei dem nimmt diese Vierheit zu:

Kraft, Leben, Schönheit, Seelenruh.

Ein Gedicht von Juan Ramon Jimenez:

Heimweh, quälend, nie endend,

Voll erschreckender Gewalt,

Nach dem, was ich habe.

Tagore:

Ich dachte meine Reise sei zu Ende,

die letzte Grenze meiner Kraft erreicht,

Felswand sperre meinen Pfad,

erschöpft sei meine Zehrung

Und die Zeit gekommen,

sich zu bergen in der Nacht des Schweigens.

Doch siehe ohne Ende ist in mir Dein Wille,

und wenn die alten Worte mir ersterben,

So brechen neue Melodien jung aus meinem Herzen;

Und wo die alten Pfade sich verlieren,

Steigt Neuland auf mit allen seinen Wundern.

 

Ich denke an Euch mit viel Metta Eure alte Ursula

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WegbegleiterIn: Wissen und Metta

Liebe Leute,

zu dem Vertrauen, was wir uns vorher im Wegbegleiter angesehen haben, gehört
nach der buddhistischen Lehre das Wissen. Blinder Glaube kann leicht in die Irre
führen und hilft weder im täglichen Leben noch auf dem spirituellen
Entwicklungsweg. Man soll sich ein Bild von dem machen, worauf man vertrauen
will und prüfen, ob es als Grundlage für ein heilsames Leben geeignet ist.

Beim Wissen geht es in erster Linie darum zu erkennen, was das eigene innere
Glück eigentlich ist. Jeder Mensch strebt nach Glück; aber wie soll das
aussehen?

Wenn die Frage lautet: Was willst Du nicht? Was stört Dich? Was macht Dich
traurig, ärgerlich? Wovor hast Du Angst?

Das lässt sich gewöhnlich leichter beantworten; das erlebt man ja auch täglich!

Wir wollen nicht leiden an Schmerzen, an Verlust, Ängsten, an eigenen Schwächen
und Versagen und an den Schwierigkeiten im Umgang mit anderen, an unseren
Beziehungen.

ICH WILL GLÜCKLICH SEIN! Das ist legitim – aber es verlangt ein Umdenken von
uns.

Bei dem, was ich mache, will ich mich wohlfühlen. Wie ich lebe, das soll mir ein
gutes Gefühl geben. Beziehungen zu anderen und zu einem Partner, Partnerin,
sollen etwas Aufbauendes haben. An meiner Entwicklung will ich mich freuen
können. Und Vieles andere, was als Glück gesehen wird.

Die buddhistische Lehre gibt Antwort auf die Frage nach dem Glücklichsein.

Nicht mehr als vier Empfehlungen soll man sich zu Herzen nehmen.

Möge ich frei sein von Feindseligkeit.

Das ist eine tägliche, bzw. stündliche Übung. Ständig muss man auf seine
Gedanken aufpassen. Zu schnell reagiert man innerlich mit Ablehnung, Empörung,
Missbilligung; oft schon bei kleinen Störungen.

Also: „Heute achte ich ganz bewusst auf meine Gedanken und lasse feinselige und

Verurteilende Gedanken sofort los!“

Möge ich frei sein von Verletzungen.

Verletze ich manchmal andere Lebewesen handgreiflich?

Verletze ich manchmal andere Menschen mit Worten?

Will ich das wirklich? -Oder bin ich nicht achtsam genug, es zu vermeiden?

Lasse ich mich verletzen? Wie kann ich es verhindern?

Also: Ausweichen oder nicht annehmen, sich abgrenzen; oder darüber sprechen,

klarstellen.

Möge ich frei sein von körperlichen und geistigen Schwierigkeiten.

Kranksein können wir nicht verhindern, Ärger und Ängste deswegen schon.

Sie machen alles nur noch schwieriger.

Was sind meine geistigen Schwierigkeiten? Wie gehe ich mit ihnen um?

Also: Zuerst die Tatsachen anerkennen; in Ruhe Möglichkeiten der Besserung

überlegen.

Möge ich fähig sein, mein inneres Glück zu behüten.

Weiß ich überhaupt, was mein inneres Glück ist; was es sein könnte?

Wie kann ich dieses innere Glücklichsein schützen? – und wovor?

Also: Prüfen was mich schon einmal glücklich gemacht hat, und was mir jetzt noch
ein

gutes Gefühl verleiht.Alles Heilsame führt hin zum Glück. Vor dem Unheilsamen

müssen wir uns hüten, da es unser inneres Glück gefährdet.

Aham avero homi – Abyapajjho homi – Anigho homi – Sukhi attanam pariharami

Für diesen Spätsommer wünsche ich Euch von Herzen viele Tage des Glücklichseins.

Herzlich Eure Ursula