Tag-Archiv | Kalyana-mitta

WegbegleiterIn: Der edle Freund/die edle Freundin

Liebe Freundinnen und Freunde!

Möge der Wegbegleiter Euch Freude und Anregung bringen!
Vor allen Dingen möget Ihr Euch selbst ein guter Freund sein.

Was nennen wir eine Freundin, einen Freund?
Freundschaften gibt es viele: das fängt in der Schule an, geht weiter bei der
Berufsausbildung; dann die Freunde des Partners, die Eltern der Kinder im
gleichen Alter, gleiche Hobbys, Gärten und Häuser, Kirche, Berufskolleginnen

Ja, wir leben in sehr vielen Verbindungen; die sich manchmal zu echten
Freundschaften entwickeln.
Man versteht sich; hört sich zu, spricht sogar über persönliche Probleme und
tröstet die Freundin, den Freund, wenn er, sie, traurig ist.
Nennst Du das „Liebe“?
Klagt nicht die Freundin gerade über die Schwierigkeiten in der Beziehung?
Fühlt sich gekränkt, verletzt, missverstanden — der Freundin kann man sein
Herz ausschütten – und fühlt sich dann wohler.
Darf man auch mal Kritik üben? – das ist nicht einfach – sollte aber in
einer guten Freundschaft möglich sein. Vorsicht ist geboten, wenn es um andere
Ansichten geht! Aber hinter dem Rücken sollte der Freund keinesfalls schlecht
gemacht werden. Das verlangt auch Zurückhaltung.
Die Schwächen der Freundin, des Freundes, kann man meistens leichter
akzeptieren als die des Partners – oder nicht?
Ein sichtbarer schöner Ausdruck der Freundschaft ist die Hilfe in Not oder
eine Unterstützung dort, wo es gut tut.
Für seine Freunde setzt man sich ein, nimmt Mühe auf sich.

Freundschaft ist etwas sehr Schätzenswertes!

Was meint der Buddha, wenn er von edlen Freunden spricht?
Ein Kalyana-mitta hat viele Aspekte eines guten Freundes, einer guten Freundin.
Darüber hinaus ist es ein wohlwollender, hilfreicher Wegbegleiter auf dem
spirituellen Pfad. Da er oder sie in der gleichen Richtung geht, von der Lehre
Einiges versteht und auch weiß, wie schwierig es ist, die Achtsamkeit im
täglichen Leben aufrecht zu halten und die Meditation zu üben – ist es für
den Weggefährten eine große Unterstützung.

Zu Buddhas Zeiten bildeten sich Mönchs-Freundschaften, die den Vorteil hatten,
das gleiche Ziel anzustreben und ganz ähnlich zu leben.

Bei uns im Westen ist es anders. Wer da auf dem Weg der Leidbefreiung ist,
findet so leicht keine Gleichgesinnten – und daraus einen Edlen Freund, eine
Edle Freundin zu finden, ist schwierig. –
Muss es wirklich ein buddhistisch orientierter Mensch sein?
Meiner Meinung nach kann jeder spirituell offene Mensch einem anderen hilfreich
zur Seite stehen. Allerdings ist es leichter, mit jemand aus der eigenen
Tradition zu sprechen und sich Rat zu holen als mit jemand, der die
Vorgangsweisen und die praktischen Methoden der Meditation nicht kennt.

In den Dhammapada Versen wird der edle Freund vorgestellt.

Dhp. 328
Wenn einen einsichtsvollen Freund du findest,
einen Gefährten, weise, edel lebend,
magst freudig du und achtsam mit ihm wandeln –
und überwinden jegliche Gefahr.

Von diesem edlen Freund wird viel verlangt: er soll einsichtsvoll sein –
das lässt sich wohl finden. Weise Menschen gibt es schon weniger – und edel
Lebende scheinen mir noch seltener zu sein. Das bezieht sich m.E. auf die Ethik,
die fünf Sila – und darüber hinaus auf ein Leben in Achtsamkeit und
liebevoller Zuwendung zu allen Wesen.

Fragen wir uns selbst einmal:
Sind wir Edle Freundinnen, Edle Freunde?
Auf dem Weg dahin – schon!
Und das ist das Wichtigste, finde ich.

Da wir nicht alle das Glück haben, so einen edlen Freund zu finden, was auch
der Buddha weiß, gibt er im nächsten Vers Antwort auf diese Möglichkeit.

Dhp. 329
Wenn keinen einsichtsvollen Freund du findest,
einen Gefährten, weise, edel lebend,
sei wie ein König, der sein Land verlässt,
und wandle einsam wie der Elefant im Wald.

Dhp. 330
Alleinig wandern besser ist,
Gemeinsames gibt’s nicht mit Toren.
Man lebe einsam, tu nichts Böses;
Sei unbekümmert wie der Elefant im Wald.

Das hört sich vielleicht traurig an – aber sind wir innerlich und
letztendlich nicht immer allein? Unseren Schmerz, unsere Erinnerungen, unsere
Hoffnungen, unsere Entscheidungen, unsere Krankheiten und unseren Tod —
müssen wir nicht allein damit fertig werden?
Wenn es nicht so wäre, hätten wir auch kein eigenes Karma —

Unterstützung kann man gut gebrauchen und das geben wir uns ja in der Sangha,
der spirituellen Gemeinschaft.
Seien wir uns Wegbegleiter auf dem Weg zu innerem Glück!

Und jetzt vor Weihnachten und Neujahr:
Mögen wir uns mit allen freuen, die Feste feiern und sich beschenken.
Mögen wir im Jahr 2011 unseren Weg beharrlich und froh weitergehen – mit
einem Freund oder allein!
Mögen wir und alle Wesen glücklich sein.

Mit viel Metta Eure Ursula

 

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