Vielleicht ist es mein Alter, das mich sentimental werden lässt…

Auch dieses Jahr neigt sich dem Ende zu und es wird Zeit, einen Rückblick zu machen.

Ich habe meine 90 Jahre Leben mehrmals in größerem Rahmen gefeiert; zuerst mit meinen buddhistischen Freundinnen und Freunden im buddhistischen Zentrum Scheibbs und im BZ Wien und dann mit meiner Familie. Es ist für mich eine Entdeckung, dass die Familie im größeren Kreis, die aus lauter kleinen Einzelfamilien besteht, ein ganz eigenes Gefühl auslösen kann. Zu meinem Geburtstagsfest in Kreuzau, Nähe Köln, am 30.06. waren Viele aus der großen Familie meiner Schwester Lore gekommen, wo es allein schon 15 Nichten und Neffen gibt, die ich zum Teil erst kennen lernen musste. Beim Abschied von meiner Schwester Eveline, die im Februar dieses Jahres gestorben ist und deren Urne in den Pyrenäen feierlich bestattet wurde, habe ich die verschiedenen Partner meiner Nichten aus dieser Linie zum ersten Mal gesehen.

Geburtstag und Abschied, beides wurde gefeiert, wobei es hauptsächlich um die Erinnerung an die Gemeinschaft dieser Menschen ging. Alle Personen haben eigene Lebensläufe, haben Berufe, Interessen, Familien und Freundschaften aufgebaut, alles unabhängig von der Familie – und doch ist ein Band der Gemeinsamkeit vorhanden. Es hat mich erstaunt, dass ich diese Verbindung als etwas Wertvolles erlebe und eine umfassende Dankbarkeit dafür empfinde.

Vielleicht ist es mein Alter, das mich sentimental werden lässt aber auch die buddhistische Einstellung, welche sich nicht so sehr an den Unterschieden der Menschen orientiert, sondern an ihrem gleichen Streben nach Glück, nach Freude und Unabhängigkeit mit all den vielen Hindernissen, Abgründen und Leiden, was mir einen weiten Blick gibt, der liebevoll alles miteinander umfassen möchte.

Trotz meines Alters kann ich immer noch Meditation, Yoga und die Grundlagen des Buddhismus lehren und werde gerne in die buddhistischen und christlichen Häuser eingeladen. Das ist ein besonderes Glück. Außer dem Lehren selbst, was mir große Freude macht und mich mit vielen interessierten und wertvollen Menschen verbindet, ist es das Studium, das mich immer tiefer in die Lehren des Buddha schauen lässt und mir die Kraft umfassender Erkenntnisse schenkt.

Wie ich oben von Familie gesprochen habe, so könnte ich die buddhistische Sangha auch als solche bezeichnen. Mit den verschiedenen Lehrern, die ich sehr verehre, den Übenden und den Teilnehmern in Kursen sind Verbindungen entstanden, die zu Freundschaften geführt haben. Ein gemeinsamer Weg, gemeinsames Tun und gemeinsame Ziele sind verbindende Energien, die dem Leben mehr Halt und Sinn geben. Es ist ein großes Glück, so etwas gefunden zu haben.

Bei allen in der Familie und bei den vielen lieben buddhistischen Freundinnen und Teilnehmern, ohne deren Unterstützung ich meine Tätigkeiten nicht ausüben könnte, bedanke ich mich mit einer großen Verneigung.

Auch für das nächste Jahr habe ich meine Termine und Reisen eingetragen  und hoffe, dass die äußeren und inneren Umstände es für mich noch möglich machen.

Es grüßt Alle von Herzen

Mutter, Oma, Tante, Freundin und Buddha-Oma

Ursula aus Wien und Kreuzau

 

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