Pilgern

Vor Kurzem war ich in Köln in einer Ausstellung mit dem Titel: Pilgern.

Sie haben 12 Stätten gezeigt, wohin Menschen in aller Welt pilgern.

Immer ging es um heilige Plätze, um hervorragende Persönlichkeiten, um Heilige, von denen man sich etwas verspricht, was einem im Leben weiterhilft. Ob das der Jakobsweg ist, die heilige Stadt Mekka, die Umrundung des Kailash oder der Buddhaweg nach Budhgaya oder viele jeweils der Gegend angemessene Heiligtümer wie z.B Mariazell, und andere. Es geht darum teil zu haben an den heiligen Kräften, welche diesen Orten zugesprochen werden.

Die Wege zum Heiligtum sind mühsam und verlangen von den Wanderern Zeit , Kraft und Entbehrungen und trotzdem halten die Pilgerinnen durch und fühlen sich am Ende reiner und ausgeglichener. Eine jüngere Freundin ging im letzten Jahr mit ihren Töchtern, die gerade ihre Schule abgeschlossen hatten, den Jakobsweg unter Tränen, Tränen der Mühsal mit schwerem Rucksack und Tränen der Dankbarkeit.

Ist es nicht erstaunlich, dass in unserer Zeit, wo alles schnell gehen muss, wo fast jeder Weg mit dem Auto sofort und schnell abgefahren wird, und wir uns überlegen, wo wir den gemütlichsten, erholsamsten und landschaftlich schönsten Urlaub machen können, trotzdem die Mühsal eines Pilgerweges auf uns nehmen? Vielleicht müssen wir uns beweisen, dass wir trotz aller Zivilisation noch fähig sind, mit den eigenen Füßen  auf der Erde zu wandeln. Ist es immer das Heiligtum, das uns anzieht? –Oder ist es vielmehr die Erfahrung, fast mittellos den Erdengang unseres Lebens leibhaftig zu fühlen – und zu erdulden?  „Das tat gut – oder das war mal nötig – oder das wollte ich immer schon mal“ so habe ich das von Leuten gehört. Dazu fanden sie auch das Verständnis von den anderen Pilgern und die Gemeinsamkeit als etwas Bereicherndes. Man hilft sich ohne lange zu fragen, man nennt nur seinen Vornamen bei den Begegnungen und freut sich auf das Zusammentreffen an späteren Orten. Vergleichen, verurteilen und sich vor anderen wichtigmachen ist auf diesem Weg nicht gefragt. Da ist keiner besser als der andere – es geht nur ums Bemühen!

Was würde der Buddha dazu sagen?

Er wird meistens als sitzend und meditierend dargestellt, obwohl er jeden Tag lange Strecken mit seinen Mönchen wanderte. Seine Lehre hat er als einen Weg beschrieben, MAGGA, den 8-fachen Pfad. Es gibt dort wie auf der Pilgerreise Stationen, die man zur Kenntnis nehmen soll. Man muss nicht genau eine nach der anderen absolvieren, sondern man kann da einsteigen wo man ist und wann man es am nötigsten braucht.

Drei große Stationen sind bei dem Erhabenen als Stützpunkte angegeben:

  1. Die Ethik /  2. Meditative Praxis / 3. Wissen

ETHIK

Auf unserem buddhistischen Pilgerweg wird ethisches Verhalten selbstverständlich erwartet: Weder töten, noch stehlen, noch sexuelles unredliches Tun, noch lügen oder sich betrinken – können sich die Wanderer erlauben, ohne aus dem Pilgern herauszufallen. Scham vor anderen und vor sich selbst hält sie von schlechtem Tun und Verhalten zurück. „Angst und Scham  sind Hüter der Welt“ sagt der Erwachte.

MEDITATION                                                                                                                                           Einsam in Stille zu wandern und nur auf das Gehen zu achten ist Geh-Meditation. Oftmals wird beim Gehen rezitiert, gebetet oder gesungen; alles in geistiger Form. Essen und Schlafen findet gern an gemeinsamen Stationen statt, wo jeder mit einfachen Gerichten und schlichten Schlafstätten zufrieden ist. Nur das was man wirklich braucht, schleppt man im Rucksack mit. Das hilft, achtsam mit seinen Sachen umzugehen und anderen bei Schwierigkeiten zu helfen. An Stellen, die einen besonders ansprechen, hält man an, verharrt in Stille und versenkt sich in die Natur des Seins.

WISSEN                                                                                                                                                Unser Kopf ist vollgepackt mit Fakten – so voll, dass es uns bedrängt und besetzt. Wir sind mit der Zukunft, dem Planen und den vielen Dingen in der Welt so beschäftigt, dass wir unser gegenwärtiges Leben nur noch oberflächlich wahrnehmen. Unsere täglichen Anforderungen lassen uns keine Zeit zu uns selbst zu kommen. – – – Hier abseits vom Beruf und der Familie spüren wir die Natur um uns herum, die Erde unter unseren Füßen, die Abhängigkeit vom Wetter und die Dankbarkeit an alle, die uns unterstützen und die uns eine Bleibe geben. Die Richtung unseres Weges und das Ziel geben uns die Kraft weiter zu gehen; gemeinsam und doch allein! Uns selbst besser kennenzulernen mit guten Fähigkeiten und Schwächen und das so anzunehmen wie es ist, das stärkt unser Einverständnis mit uns selbst und dem Leben.

FRAGEN:                                                                                                                                                 Wohin geht Deine Pilgerreise? – auch wenn Du nicht den Rucksack aufschnallst?

Ist Dir Deine Lebensrichtung bewusst? Hast Du ein langfristiges Ziel?                                                    Wohin könnte es bestenfalls gehen?

Wohin geht es, wenn nichts passt?

Welche Hindernisse findest Du besonders schwierig zu überwinden?

Was sind Deine Nahziele?

Hast Du bestimmte Kriterien für Deine Entscheidungen für Deinen Lebensweg?                                            Ist es die Richtung oder das Ziel, das Du bestimmst?

Oder  sind es die Lebensumstände, die Dich bestimmen?

Kann man beides, die Menschen um einen herum, die Umstände und die Selbstbestimmung  in Einklang bringen?

Als Anhänger der buddhistischen Lehre können wir den achtfachen Pfad als Lebensrichtung gut verwenden. Dazu müssen wir ihn auch kennen. Aus dem Kennen kann dann langsam das Können     entstehen. Ich rege alle an, die Glieder des Pfades auswendig zu lernen. Dann kann man sich auch der Station bewusst werden, wo man gerade Halt gemacht hat und wo es weitergehen könnte.

Also: Rechte Einsicht in Heilsam und Unheilsam?

Rechte Gesinnung: gütig und auch verzichtend?

Rechte Rede: wahr, ohne Tratschen, nicht grob, nicht nutzlos schwätzen?

Rechtes Handeln: Die fünf Richtlinien, SILAS, einhalten?

Rechter Lebenserwerb: niemandem schaden, kein Leid verursachen?

Rechte Anstrengung: die Bemühung im Geist, die Gedanken heilsam zu lenken?

Rechte Achtsamkeit: auf allen Lebensebenen anzubringen?

Rechte Sammlung: sich konzentrieren bei allem Tun und in der Meditation?

Wohin könnte ich heute einen Schritt auf diesem Weg machen?

Herzlich grüßt die alte Ursula

E-Mail: Ursula.Lyon@chello.at


Neues Buch: „Licht auf deinem Weg“ von Ursula Lyon und Gerald Schinagl

 

 

 

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